#1MonatVegan: Warum vegan? (M)eine Motivation

#Jeder ist motiviert, die Frage ist: zu was? beetrootmassacre.wordpress.com

Es ist beinahe egal, um welchen Lebensbereich es geht. Es gibt immer Optimierungsmöglichkeiten und „Luft nach oben“. Sei es mehr Sport zu machen, mit dem Rauchen aufzuhören, sich gesünder zu ernähren, mehr Zeit für xyz zu nehmen… Fast jeder kennt diese Vorsätze. Warum schaffen es einige ihr Verhalten zu ändern und andere nicht? Alles eine Frage der Motivation.

„Jeder ist motiviert, die Frage ist: Zu was?“

Heute geht es im Rahmen der Blogparade und Challange #1MonatVegan (eine Erklärung und wie ihr mitmachen könnt lest ihr auch hier) um die Motivation zu einem veganen Lebensstil. Dabei nehme ich euch mit auf eine Reise in die Vergangenheit, wie es denn kam, dass ich – und das auch noch ziemlich plötzlich – zur Veganerin wurde und stelle dabei noch ein Buch vor (von Marc Pierschel „Vegan!“), das nicht ganz unschuldig an der ganzen Sache ist.

#1MonatVegan
Quelle: Filling Your Mind/Bella Lacroix

 

Meine Geschichte

Es war einmal… vor ziemlich genau 5 Jahren. Zu dieser Zeit ernährte ich mich „omnivor“, war also Allesesserin. Ich kochte gerne auch vegetarisch, und meist am Wochenende gab es ein Fleischgericht. In der Grillsaison gab es allerdings auch öfter Fleisch. Da ich schon immer ein „Foodie“ war, hatte ich mich auch damals schon immer wieder mit meiner Ernährung auseinander gesetzt und versuchte meine Lebensmittel verantwortungsbewusst aber auch alltagspraktisch einzukaufen.

Im Sommer 2011 saß ich vor dem Fernseher und sah eine Dokumentation über Gen-Soja, wie er in Südamerika als Futtermittel für „Nutztiere“ angebaut wird. Und ich war schockiert. Seit kurzem hatte ich einen eigenen Garten und konnte mir kaum ausmalen, was diese Unmengen an Pestiziden mit dem Boden anrichten würden. Besonders betroffen machte mich allerdings die Aussage, dass dieses Soja so günstig produziert würde, dass praktisch jeder konventionelle Betrieb hierzulande dieses Soja vefüttern würde! (Tofu und andere Sojaprodukte für den menschlichen Verzehr werden übrigens in der Regel aus gentechnikfreiem Soja aus europäischem Anbau hergestellt.)

Als ich wieder Luft bekam, stand für mich fest: Das war’s. Ich esse ab jetzt kein Fleisch mehr. Diese Information hatte bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. Viele Jahre hatte ich immer wieder mit dem Vegetarismus geliebäugelt. Doch was sollte mit den Kälbern geschehen, die doch für die Milchproduktion notwendig sind? Und was mit den Hähnen, wenn ich Eier aß, aber kein Geflügel? (Heute weiß ich, dass die Brüder der Legehennen als Küken getötet werden und nicht, wie ich früher annahm, für den menschlichen Verzehr gemästet werden. Legehühner setzen nämlich rassebedingt nicht ausreichend Fleisch an.)

Diese Gedanken schob ich also beiseite und stürzte mich in das Abenteuer „vegetarisch“. Bei meinen Recherchen lernte ich so einiges. Und stolperte immer wieder über den Begriff „vegan“. Die Bedeutung war klar, nichts vom Tier. Aber wie sollte das nur gehen? Neugierig bestellte ich mir das Buch von Marc Pierschel „Vegan! Vegane Lebensweise für alle“. Allerdings nicht mit der Absicht Veganerin zu werden. Denn ich dachte – mal ganz unter uns – Veganer haben nicht alle Latten am Zaun.

„Vegan!“ von Marc Pierschel

Also saß ich im Spätsommer am See und las. Und hin und wieder las ich Absätze ein zweites Mal. Beim zweiten Mal las ich sie laut Mr. B. vor, so beeindruckt war ich.

#Jeder ist motiviert, die Frage ist: zu was? beetrootmassacre.wordpress.com

Das Buch beginnt mit der Geschichte des Veganismus und Vegetarismus, welche bei Leibe keine Erfindung der Moderne ist. Dann wird beschrieben, wie tierische Produkte von Fleisch bis Seide und Leder produziert werden. Weiter  geht es mit philosophischen Gedanken und gesundheitlichen Fragestellungen. Schließlich folgen ganz lebenspraktische Hinweise, was zu beachten ist, wie man mit Kommentaren aus dem Umfeld umgeht und schließlich Rezepte und Nährstofftabellen. (Besonders wegen letzterer habe ich das Buch auch nach 5 Jahren noch gerne in der Hand).

Warum vegan?

Nachdem ich das Buch gelesen hatte kam mir die Idee vegan zu leben nicht mehr so abwegig vor. Sondern sie kam mir logisch vor. So machten Dinge auf einmal Sinn. Hier einige Motive für eine vegane Lebensweise (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Ethische Gründe: Aufgrund des Tierleides, das mit jeder Form der „Nutzung“ von Tieren verbunden ist, wird diese abgelehnt.
  • Ökologische Gründe: Wie wir uns ernähren beeinflusst unsere CO2-Bilanz deutlich mehr als beispielsweise unser Mobilitätsverhalten (also ob wir autofahren oder fliegen). Bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel und Produkte werden deutlich mehr Ressourcen verbraucht als bei pflanzlichen.
  • Dieser Umstand trägt auch bei zur Problematik des Welthungers.
  • Gesundheitliche Gründe: Einige tierische Lebensmittel stehen erwiesenermaßen im Zusammenhang mit Erkrankungen, durch den Verzicht auf diese kann das Erkrankungsrisiko gesenkt werden. Ein weiterer Aspekt hierbei spielen Unverträglichkeiten, die Gründe für eine vegane Ernährung darstellen.
  • Neugierde/Trend: Der Wunsch etwas Neues auszuprobieren motiviert zur Umstellung auf eine vegane Lebensweise.
  • Spiritualität/Religiösität: Z. B. die Jain in Indien verzichten auf tierische Produkte um den Lebewesen keinen Schaden zuzufügen.

Ethische und ökologische Gründe spielten bei mir die größte Rolle bei der Entscheidung für eine vegane Lebensweise. Es sollten keine Hühner oder Rinder mehr für mich leiden müssen. Eier und Milchprodukte wurden noch aufgebraucht und nicht mehr nachgekauft. Dafür gab es dann mehr Hülsenfrüchte, Veg1 und viele viele spannende Experimente in der Küche. Und die Dokumentation dieser Experimente lest ihr hier im Blog, der ein Jahr später das Licht der Welt erblickte.

Mich würde in diesem Zusammenhang brennend interessieren, was dich motiviert hat, die Herausforderung #1MonatVegan anzunehmen? Oder bist du schon länger vegan, was war bei dir der Schlüsselmoment? Ich freue mich über Eure Geschichten und Eure Fragen zum veganen Leben in den Kommentaren!

 

 

13 thoughts on “#1MonatVegan: Warum vegan? (M)eine Motivation

  1. Ich habe während meines Philosophiestudiums auch genau einen Monat vegan gelebt. Einfach mal um zu gucken wie es ist, und womit man sich auseinander setzen muss (Beispiel Thema Hefe). Das Tolle ist dieser unglaubliche Fokus auf das, was man zu sich nimmt. Aber ohne Hingabe kommt man nicht weit. Ich habe so viel gekocht, wie noch nie in meinem Leben. Einen guten Snack für Zwischendurch zu finden, ist auch keine leichte Aufgabe (wobei sich das ja in den vergangenen paar Jahren sehr gewandelt hat).
    Die ökologische Grundlage für veganes Leben würde ich allerdings zumindest anzweifeln wollen. Der Soya-Anbau in Brasilien fußt z.B. oft auf gerodetem Regenwald. Aber wahrscheinlich muss man einfach immer darauf achten, was genau man in den Einkaufskorb legt.

    1. Danke für deinen Kommentar und deinen Erfahrungsbericht. Zur Ökologie: das Soja, das hier in Supermärkten und Bioläden verkauft wird ist aus europäischer Erzeugung. Das Soja aus Brasilien wird hierzulande leider als billiges Tierfutter für „Nutztiere“ verwendet. Das macht die Ökobilanz von tierischen Produkten noch schlechter.

  2. Ein sehr spannender Erfahrungsbericht, den ich sehr sympathisch finde, deckt er sich doch zu weiten Teilen mit meiner eigenen Erfahrung und meiner eigenen Motivation, vegan zu werden. Bei mir hat das Umdenken langsam, aber stetig begonnen (unter anderem auch durch Freundinnen, die sich für den veganen Lebensstil entschieden haben) – wurde aber auch durch ein Buch („Tiere essen“) sehr manifest. Ich habe dann von heute auf morgen (allerdings war ich schon Vegetarierin) entschieden, nicht mehr schuldig zu sein an so einem furchtbaren System. Bei mir stehen also auch ethische Gründe klar im Zentrum – aber die ökologischen und menschlichen Gründe sind mit der Zeit ebenso wichtig geworden.

    Liebe Grüße
    Jenni

  3. Hallo,
    ich lebe schon seit 8 Jahren vegan und esse seit 12 Jahren kein Fleisch mehr. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, wusste also eigentlich schon lange, wo das Fleisch herkommt. Die Tiere, die geschlachtet wurden, taten mir immer leid. Deshalb bin ich mit 15 zunächst Vegetarierin geworden.
    Nach und nach habe ich mich mit den Hintergründen der Milch- und Eierproduktion beschäftigt. Da meine Hauptmotivation war, Leid zu verhindern, habe ich schlussendlich beschlossen, vegan zu leben und zunächst meine Ernährung von einen auf den anderen Tag umgestellt, dann nach und nach alle anderen Bereiche (z.B. Kleidung, Kosmetik etc.).
    Es war die beste Entscheidung meines Lebens 🙂 Ich bin mit mir im Reinen und fühle mich wohl in meinem Körper. Ganz nebenbei bin ich meine Migräne losgeworden.
    Im Rahmen der Aktion #1MonatVegan gebe ich angehenden Veggies Tipps für Ihre erste vegane Reise.
    LG
    Natascha

  4. Ein toller Beitrag – bevor ich vegan wurde dachte ich auch, dass Veganer nicht ganz normal sind. 😀 Spannend, wie schnell sich Ansichten ändern, wenn man auf der anderen Seite des Zaunes steht. 😀

    Ich bin primär aus tierethischen Gründen vegan geworden, habe dann aber zufrieden festgestellt, dass es auch im Sinne der Nachhaltigkeit viele positive Auswirkungen hat. Im Prinzip hast du das allen in deinem Artikel sehr schön zusammengefasst! 🙂

  5. Vielen Dank für den tollen Beitrag, er bringt eigentlich die meisten Gedanken und Gründe auf den Punkt. Bei mir war der Gedanke auch schon lange am „brodeln“….irgendwas hat nicht mehr gepasst wenn wir Fleisch gegessen haben, es kamen wie von selbst immer mehr Informationen über Tierleid zu mir, Artikel in Zeitschriften, Beiträge im Fernsehen, usw. Dann, ganz banal standen wir eines Tages in der Nähe eines Schlachthofes an einer Ampel…und ich habe eine Kuh ganz fürchterlich schreien gehört. Zuerst konnte ich das gar nicht zuordnen, mitten im Industriegebiet. Als es uns klar wurde woher es kam, war mir schlagartig klar…kein Fleisch mehr! Kein Tierleid mehr wegen mir! Und da es mich vorher auch schon geärgert hat, dass wir viele tierische Produkte unwissend einfach so untergejubelt bekommen, in Dingen in denen ich keine tierischen Produkte möchte oder gar vermuten würde, beschlossen wir unsere Nahrung langsam auf vegan umzustellen. Wir sind jetzt seit ca. einem halben Jahr dabei. Uns geht es sehr gut damit. Ich muss allerdings zugeben, dass es für uns als 5-köpfige Familie nicht ganz einfach ist. Auch in finanzieller Hinsicht. Aber es lohnt sich… und wenn wir nicht im Kleinen versuchen die Welt zu verbessern….dann wird das wohl gar nichts mehr werden 😉

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